15. September 2013

Neue Aufgabe – Piloten Einführung

Seit zwei Wochen fliege ich nun mit einer anderen Rolle. Genau genommen fliege ich eigentlich gar nicht mehr, sondern lasse mich herumfliegen. Von Luke Newell einem neuen Piloten, der Anfang Juni mit seiner Frau in Papua-Neuguinea angekommen ist.
Bevor ein Pilot in PNG alleine fliegen darf, muss er in die verschiedenen Flugfelder und Flugrouten eingeführt werden. Während dieser Zeit wird er von einem Piloten begleitet, der die Umgebung bereits kennt. Dieser zeigt ihm dann z.B. wichtige Orientierungshilfen auf dem Flug von A nach B und erklärt die individuellen Eigenschaften der verschiedenen Flugfelder. Auch Besonderheiten des Wetters und dessen Einfluss auf das Fliegen werden dabei vermittelt.
Somit sitze ich jetzt wieder, wie zu Fluglehrerzeiten, im rechten Sitz des Flugzeuges und gebe meine zweijährige Weisheit über das Fliegen in der Western Province weiter. Es ist das Ziel, dass Luke bis zur Geburt unseres Kindes Anfang November, das Programm in Rumginae alleine fliegen kann.

Luke und Markus im Cockpit des GA8 Airvan

14. August 2013

Wenn der Flieger ruht

Diese Geschichte baut auf dem Beitrag "Kostbares Leben" (4.8.2012) auf und beschreibt dieselben Ereignisse aus der Sicht von Markus. Er wurde in leicht gekürzter Version im MAF Info, Nr 2/2013 veröffentlicht.


Der Mond schien hell durch unser Schlafzimmerfenster, als ich aus einem unruhigen Schlaf erwachte. Er war eben erst aufgegangen und hing halb-voll über den Baumwipfeln des nächtlichen Dschungels. Sein mattes Licht verlieh allem eine gespenstische Atmosphäre. Es war ungewöhnlich ruhig, die Stille nur ab und zu durch den Schrei eines Nachttieres unterbrochen. Sogar die Grillen waren verstummt. Ich realisierte, dass der Diesel-Generator nicht mehr lief und wurde betrübt – sie musste gestorben sein.

Alles begann, als Matt am Samstag Morgen den MAF-Schuppen in Rumginae betrat. Ich überprüfte Internet-Einstellungen auf dem Büro-Computer, als mein Pilotenkollege in seiner Uniform auftauchte. „Ist ein Medevac reingekommen?“ fragte ich. Er nickte und erzählte mir von einer Frau in Bosset, die wegen Komplikationen bei der Geburt so schnell wie möglich ins Spital von Rumginae geflogen werden sollte. Leider hatten die Bewohner von Bosset es nicht für nötig gehalten, das Grass ihres Flugplatzes zu schneiden, so dass dort kein Flugzeug mehr landen konnte. Deshalb musste die Frau in einem Kanu nach Aiambak gebracht werden – 22km Luftlinie, aber mehr als doppelt so viel auf dem sich windenden Fly River. Ein Arzt-Praktikant half Matt das Flugzeug bereit zu stellen und sollte ihn auf dem Flug begleiten. Mein Angebot zur Mithilfe wurde ausgeschlagen, da ich offiziell Ferien hatte. So blieb mir nichts anderes übrig, als „untätig“ nach Hause zu gehen.

Auf dem Weg ins Spital (Foto vom Matt Painter)

Am frühen Nachmittag hörte ich das Flugzeug wieder zurückkommen und nahm an, dass die Frau sofort in den Operationssaal gebracht wurde. Ein paar Stunden später heulte eine Sirene. Wir erfuhren hinterher, dass diese in einem Notfall zusätzliches Spitalpersonal zum sofortigen Arbeitseinsatz rief. Ich hatte das seltsame Gefühl, dass sich meine Passivität bei diesem Medevac noch ändern wird.
Und tatsächlich, kurz nachdem wir die Kinder zu Bett gebracht hatten und uns um den Abwasch kümmern wollten, knatterte unser kleines Funkgerät und eine Stimme erkundigte sich, ob wir bereit wären Blut zu spenden. Madeleine ging sofort zum Spital hinauf, während ich die Flugrechtlichen Bedingungen zum Blutspenden nachschlug. Da ich noch ein paar Tage Ferien hatte, waren diese kein Problem.
Es fiel ein leichter Nieselregen als ich von unserem Haus zum Spitallabor schritt. Es war bereits dunkel und die feinen Tropfen verliehen der Station eine neblige, herbstliche und dadurch irgendwie unwirkliche Stimmung. Aus dem Gebäude mit dem Operationsaal drang helles Licht. Dort, hatten die beiden Ärztinnen eine Plazenta Praevia diagnostiziert und mit einem Kaiserschnitt das Kind gerettet. Danach hörte die Frau aber nicht auf zu Bluten. Jetzt wollte man versuchen die Blutung durch das Entfernen der Gebärmutter zu stoppen. Da die Frau aber bereits viel Blut verloren hatte, musste ihr neues verabreicht werden, wenn sie diese zusätzliche Operation überleben sollte. Weil Spitäler in PNG jedoch über keine Blutkonserven verfügen, mussten schnellstens willige Spender gefunden werden. Über die leeren Grassflächen drangen Lobpreislieder vom Operationssaal zu mir hinüber, und es wurde mir bewusst, dass neben den Fähigkeiten der Ärztinnen und den freiwilligen Spenden von Blut Gottes Hilfe dringend nötig war.
Ich ging die Stufen zur Veranda hoch und presste mich an Schaulustigen vorbei ins Labor. Zu meiner Rechten lag Madeleine bereits auf einem Bett mit schmutziger Matratze und Spinnweben an den Holzbeinen. Ich liess meinen Blick über den Rest des Raumes gleiten. Es herrschte eine unglaubliche Unordnung: Den Wänden entlang liefen Korpusse, deren Ablageflächen mit altertümlichen Geräten, Reagenzglässern, Schachteln und allerlei Schnickschnack überstellt waren. Ein Pult zu meiner Rechten war mit Gaze, Alkohol Swaps und aufgerissenen Verpackungen übersät. Hier nahm eine Krankenschwester Blutproben, um das Haemoglobin zu bestimmen. Eine Ratte huschte über einen Balken im Dachstuhl.
Ich fragte, ob mein Blut immer noch benötigt wurde und nach einer angeregten Diskussion wurde bestimmt, dass es nicht schaden würde. Nach einigem hin und her machte sich eine mutige Krankenschwester daran, mir Blut für die Hämoglobinbestimmung zu nehmen. Wahrscheinlich nervös wegen meiner weissen Haut, brachte sie jedoch keinen Tropfen aus meinem Arm. Da half kein herumstochern. Zu meiner Erleichterung klappte es beim zweiten Versuch besser.
Während ich darauf wartete an die Reihe zu kommen, erzählte mir der Laborant, wie schwierig es war Leute zum Blutspenden zu bewegen. Die meisten Leute im Busch haben kein Verständnis dafür, dass das abgezapfte Blut wieder ersetzt wird. Sie denken vielmehr, dass ihnen etwas Wertvolles genommen wird und wollen dementsprechend entschädigt werden oder lehnen eine Spende grundsätzlich ab. Der Laborant hatte Mühe mit dem Betteln, Erklären und dem Abgewiesen werden, während er wusste, dass das Leben einer Person von seinem Erfolg abhing. Aus diesem Grund sind es meistens Spitalmitarbeiter und Missionare, die sich zum Blutgeben zur Verfügung stellen.
Dann kam ich an die Reihe, auf den Schragen zu liegen. Als das Blut langsam in den Beutel floss, sinnierte ich über den technologischen Unterschied zwischen dem Westen und diesem Busch-Spital. Hier war alles zweckmässig: der Laborant hielt den Blutbeutel in den Händen und bewegte ihn selbst hin und her, und die genommene Menge Blut wurde mit einer kleinen Federwaage bestimmt. Keine Hightech-Maschinen, die summend und piepsend die gleichen Dinge wahrscheinlich ökonomischer, dafür weniger persönlich erledigten.

Auf dem Schragen

Das Blut war schnell genommen und Madeleine und ich gingen in unser Haus zurück, um das Geschirr fertig abzuwaschen. Wir mussten uns keine Sorgen um das Licht machen. Das Spital würde sicherlich den Diesel-Generator die ganze Nacht laufen lassen, damit sie Strom für den Operationssaal und die benötigten Geräte nach der Operation haben. Beim Zubettgehen wurde mir bewusst, das Fliegen eigentlich nur ein Aspekt meines Dienstes in PNG ist – die andere Seite kommt zum Tragen, wenn der Flieger ruht.

Jetzt lag ich mitten in der Nacht mit schwerem Herzen wach im Bett und konnte nicht wieder einschlafen. Was war geschehen? Denn mit ausgeschaltetem Generator, so war ich überzeugt, musste die Operation nicht nach Plan verlaufen sein. Und warum hatte Gott nicht geholfen? Ich wälzte mich hin und her, fand keine Antwort und schlief schlussendlich über dem Nachgrübeln wieder ein.
Ich war immer noch niedergeschlagen, als ich am nächsten Morgen die kleine Kirche des Spitals betrat. Der Arzt-Praktikant sass bereits auf einer Bank und wartete darauf, dass der Sonntagsgottesdienst beginne. Wir grüssten uns, ich ängstlich die „Neuigkeit“ zu hören, er nach meinem Geschmack ein wenig zu unbeteiligt. Er lächelte und sagte: „Es geht beiden gut.“ Es dauerte eine Weile, ehe seine Worte registrierten. Beschämt setzte ich mich hin. Offenbar hatte Gott doch eingegriffen – und ich war froh, dass er dazu nicht von meinem Glauben und meinem Vertrauen abhängig war.

24. Juni 2013

MAF Begegnungstag 2013

Auch dieses Jahr findet wieder ein MAF Begegnungstag statt. Dieses Mal gibt es jedoch zwei verschiedene Anlässe: der erste in Lommis am 27. Juli, der zweite wie bisher in Belp am 10. August.

Hier klicken um das Programm als PDF zu öffnen

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15. Juni 2013

Medevacs in den Highlands

Dieser Bericht wurde von Lisi Sutter, Frau des Piloten Philipp, zusammengestellt.

Erlebnisse von Piloten aus Papua New Guinea

7. Oktober 2013: Es war ein Samstag, wir bereiteten uns auf einige Arbeiten für die folgende Woche vor. Um 14:15 Uhr schellte das Telefon mit der Nachricht, dass eine medizinische Evakuation ausgeführt werden sollte. Da kam nur Philipp mit der Caravan in Frage. So machte er sich bereit, und ich hatte die Möglichkeit mitzufliegen. Das Wetter verschlechterte sich, so mussten wir uns beeilen, weil sonst der Anflug nach Mt. Hagen beim Heimkommen schwierig würde.
Um 15:45 starteten wir Richtung Erawe (ca 30 Flugminuten). Dort angekommen regnete es, doch Gott sei Dank war die Sicht gut genug, dass wir landen konnten und Philipp hatte die Situation sehr kompetent und ruhig gemeistert. In Erawe hatten sie das Mädchen bereits auf der Trage zum Landeplatz gebracht und innerhalb von 10 Minuten waren wir auch schon wieder startklar.

Philipp und echte Buschmänner

Als die junge Frau neben mir auf der Trage lag, hatten wir Zeit zum reden: Wariame, ca 16 Jahre alt, liegt seit 4 Tagen in den Wehen. Sie wohnt mit ihrer Familie zusammen 1-Tagesmarsch entfernt vom Flugplatz Erawe. Die Frauen im Dorf hatten versucht ihr zu helfen, aber es ging einfach nicht vorwärts. Schliesslich brachten die Leute aus dem Dorf die junge Frau am Samstag Morgen endlich in das kleine Buschspital in Erawe, doch die konnten ihr auch nicht helfen. Und dann konnten sie auch keine Herztöne vom Baby mehr hören. Kurz nach dem Mittag entschlossen sie sich, per Radio MAF (Mission Aviation Fellowship) zu kontaktieren, damit Wariame nach Mt. Hagen geflogen werden kann. So lag sie nun da und hatte kalt...
In Mt. Hagen fuhren wir sie dann mit einem MAF Auto in das Spital. Der Gebärsaal sieht nicht so schön aus, und das Bett ist unter jedem Komfort. Einige Zeit später, konnte sie mit Hilfe des Vacuums ihr totes Mädchen gebären. Es hatte die Nabelschnur um den Hals gewickelt und wenn Wariame nicht nach Mt. Hagen hätte geflogen werden können, dann hätte sie es wahrscheinlich auch nicht überlebt. Für die Menschen in PNG sind Leben und Tod näher beieinander.

27. Februar 2013: Wochen sind ins Land gezogen. Wariame leidet immer noch unter den Folgen der Geburstschwierigkeiten - Fistula (das kennt man in der Schweiz gar nicht mehr). MAF Frauen haben sie seither regelmässig besucht und sie unterstützt. Wir beten, dass sie bald einmal nach Kundiawa gehen kann, wo ein Spezialarzt sie operieren kann, damit sie nicht mehr inkontinent sein muss.

8. Februar 2013: Philipp Sutter ist für eine Woche mit Markus Bischoff unterwegs, um ihn in die Flugplätze des Hochlandes einzuchecken. Schon am Tag zuvor kam ein Ruf für ein Rettungsflug aus Iropena, doch das Wetter ist schlecht und so können sie erst einen Tag später landen um Anna aus ihrer lebensbedrohlichen Situation zu retten.
Wie Wariame ist auch sie erst ein Teenager und nach fünf Tagen Geburtswehen ist der kleine Junge seit zwei Tagen tot. Nachdem der Medevac endlich klappt, kommt auch sie ins Spital in Mt. Hagen.

Fliegen im Hochland, Mugal Gap auf 9500ft

Landeanflug in Mt Hagen

Anna bei ihrer Ankunft in Mt Hagen

Wir gehen Anna regelmässeig besuchen und bringen ihr zu essen weil das Spital keine ausgewogene Mahlzeit zur Verfügung stellt. Sie teilt das gleiche Schicksal wie Wariame: Fistula, und somit Inkontinenz, was wiederum bedeutet, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden wenn sie nicht operiert wird.

16. Februar 2013: Mit dem Flugzeug holen Philipp Sutter und Markus Bischoff heute Aruwae aus Aue. Sie ist hochschwanger und weil sie schon bei früheren Geburten Komplikationen hatte, entscheidet ihr Dorf, dass sie zur Entbindung nach Mt. Hagen ins Spital fliegen soll. Hier kann sie jetzt auf das Einsetzen der Wehen warten im Wissen, dass wenn es notwendig sein sollte, Hilfe für sie da ist.

Beim Anflug auf Aue

Aruwae und ihr Begleiter

Administratives wird mit dem MAF Agenten besprochen

Glückliche Passagiere beim Abflug von Aue

Wariame, Anna und Aruwae sind nur ein paar Beispiele aus vielen. Täglich sterben in PNG Mütter und Babies bei der Geburt. Mit Hilfe von MAF Flugzeugen ist es möglich, diese Frauen aus abgeschnittenen Buschdörfern zu fliegen, um ihr Leben zu retten.